Strategien für die Archivierung von Zeitzeugnissen

Wie war das noch? Hier sammeln wir historische Veröffentlichungen, Dokumente aus alten Amtsblättern des Fernmeldebereiches, alte technische Unterlagen usw.
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NiNeAl
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Strategien für die Archivierung von Zeitzeugnissen

Beitrag von NiNeAl » Samstag 9. September 2017, 07:18

In Stein gemeißelt, in Ton gebrannt oder auf Papyrus skizziert: Seit Jahrtausenden beschäftigen sich Erdenbürger damit, einige Impressionen aus der erlebten Epoche an die Nachfahren weiterzugeben. Heute wissen wir, welche Techniken bei der antiken Archivierung die Nase vorn hatten und welche dem Zahn der Zeit zum Opfer fielen. In der schnelllebigen Gegenwart ist es umso schwieriger, sich für den richtigen Ansatz und eine zukunftsträchtige Technologie beim langfristigen Speichern von Informationen oder Erinnerungen zu entscheiden. Immer zügiger werden Innovationen vorgestellt. So ändert sich das technische Setting stetig, während sich kaum Erfahrungswerte zu der Haltbarkeit der verwendeten Speichermedien ergeben. Außerdem bringt das digitale Zeitalter ein enormes Datenvolumen mit, das ungekürzt selbst die neugierigsten Erben überfordert. Wer einen Teil seiner Geschichte an die jüngeren Generationen weiterreichen möchte, muss sich demnach mit einigen Fragen auseinandersetzen.

Zukunftsfähige Dateiformate

Man muss nicht zu den absoluten Jungspunden gehören, um die Vergänglichkeit von Speicherformaten nachvollziehen zu können. Nahezu jeder hat bereits Dokumente mit einer Software erstellt, die schon bald darauf von der Bildfläche verschwand und deren Dateien mit den nachfolgenden Programmen nicht zu öffnen sind. In der Quintessenz war die Mühe umsonst und der Inhalt ist futsch. Es lässt sich heute selbstverständlich nicht voraussagen, ob aktuelle Softwarestandards über viele Jahrzehnte relevant sein werden. Allerdings gibt es einige Formate, die bereits eine lange Vita mitbringen und die mit einer DIN-Norm versehen wurden. Schließlich gibt es auch jenseits der privaten Gefilde ein großes Interesse daran, dass sich die Arbeit von Archivaren auszahlt.

Laut den aktuellen Erkenntnissen empfehlen sich JPEG und TIF für das Fotoarchiv, während für Office-Dateien DOCX-Formate sinnvoll sind. Vor allem Dokumente, die mit Spezialsoftware angefertigt wurden, sollten als PDF gesichert werden. Es deutet vieles darauf hin, dass für Audios das WAV-Format und für Videos der Standard AVC-HD eine langfristige Überlebenschance hat. Grundsätzlich gilt, dass Meta-Daten dafür anfällig sind, im Zuge des technischen Wandels nicht mehr lesbar zu sein. Deshalb ist es geschickter, die wichtigsten Infos zum Inhalt in den Dateinamen zu integrieren.

Ungewisse Haltbarkeit der Hardware

Noch vergänglicher als Dateiformate ist die Hardware, auf denen die digitalen Souvenir archiviert werden Zu vielen erhältlichen Speichermedien fehlen schlichtweg relevante Erfahrungswerte oder Forschungsergebnisse, wodurch sich die Hersteller von langfristigen Versprechen distanzieren. Für USB-Sticks oder SSD-Karten reicht die Garantie für den Erhalt der Daten nicht über ein Jahr hinaus. Gleiches gilt für gängige Festplatten, die nicht im derzeit genutzten PC stetig im Einsatz sind. Hierfür ist das technische Konzept verantwortlich, wodurch zumindest in gelegentlichen Abständen eine Spannungsversorgung zwingend notwendig ist. Selbst wenn dafür gesorgt wird und die Speichermedien unter optimalen Bedingungen in antistatischen Tüten bei der passenden Temperatur und Luftfeuchtigkeit aufbewahrt werden, ist das langfristige Überleben nicht garantiert. Die Tests der Hersteller beziehen sich beim idealen Umgang nur auf wenige Jahre. Außerdem ist es durchaus denkbar, dass die notwendigen Ports am PC eines Tages nicht mehr verbaut werden.

Optische Medien wie CDS und DVDs kommen nicht viel besser weg. Schon nach wenigen Jahren ist es nicht ungewöhnlich, dass sich klassische Datenträger ausgehend vom Rand auflösen. Die so genannte M-Disk, für die ein spezieller Brenner notwendig ist, kostet nur wenige Euro und verspricht eine Haltbarkeit von bis zu 1.000 Jahren. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass die angepriesene Robustheit nicht konsequent gegeben ist. Zu den sichersten Speichervarianten gehört derzeit die Glasmasterdisk, die auch einige Bibliotheken und Unternehmen für wertvolle Dokumente verwenden. Allerdings muss die Anfertigung beauftragt werden und schlägt mit beinahe 200 Euro pro Datenträger zu Buche.

Im digitalen Zeitalter kommt selbstverständlich der Gedanke auf, den sicheren und regelmäßig gewarteten Servern zu vertrauen, die hinter der Cloud stecken. Allerdings sollte dabei bedacht werden, dass die ausgelagerten Daten nur solange überleben wie das dahinterstehende Unternehmen. Wer seine Erinnerung digital archivieren möchte, kommt also um die regelmäßige Pflege der Sammlung nicht herum. Hierzu gehört der sorgsame Umgang mit den Datenträgern ebenso wie ein regelmäßiger Funktionstest und ein gelegentlicher Transfer auf ein fabrikneues Speichermedium. Außerdem kann es nicht schaden, mehrere Varianten miteinander zu kombinieren.

Erlesene Sammlung – digital und zum Anfassen

Dass sich dieser Aufwand nicht für sämtliche Dateien lohnt, die sich aktuell auf dem PC und angefertigten Datenträgern befinden, lässt sich leicht nachvollziehen. Deshalb muss zwischen einem Backup für die Wiederherstellung der aktuell benötigten Dokumente und einem digitalen Archiv mit den handverlesenen Souvenirs unterschieden werden. Für diese Selektion spricht nicht nur die regelmäßige Pflege der Sammlung. Es ist auch verständlich, dass die Nachkommen kein Interesse an einem undurchsichtigen Berg an Informationen mit tausenden von Fotos, Schriftstücken und Videos haben. Wer auf eine derartige Flut an Dateien trifft, entscheidet sich im Zweifelsfall schnell für das allumfassende Löschen.

Für die Dokumentation der wichtigsten Stationen des Lebens sollten maximal 300 Fotos genügen. Das sind schon deutlich mehr Momentaufnahmen als in dem klassischen Familienalbum unserer Großeltern. Einige handverlesene Videos und aussagekräftige Dokumente wie die Urkunde vom Staatsexamen können sich hinzugesellen. So genügen für die Archivierung ein oder zwei Datenträger, bei denen das gelegentliche Auffrischen kein Problem darstellt. Außerdem bereitet es bei dem überschaubaren Datenvolumen kein Problem, das Archiv auf dem aktuell verwendeten PC zu erhalten und parallel in der Cloud abzulegen.

Darüber hinaus ist es empfehlenswert, einen Klassiker zu ergänzen. Im Handel finden sich noch immer stattliche Alben mit einem atmungsaktivem Einband aus Textil, zahlreichen Seiten aus stabilem Karton und Seidenpapier für den Schutz der einsortierten Dokumente. Diese Accessoires für die Archivierung haben sich ebenso langfristig bewährt wie klassisch entwickelte Fotografien auf hochwertigem Papier. Wer sich die Zeit nimmt und die herausragenden Souvenirs in das Familienbuch zu integrieren, bereitet nicht nur seinen Erben eine Freude. Bereits zu Lebzeiten ist es spannend, in dem Album zu blättern und gemeinsam einige Erinnerungen aufleben zu lassen.

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