Digitaler Nachlass: Unterschätzte Herausforderung für die Hinterbliebenen

Das darf kein Tabu-Thema sein, denn nach dem finalen Logout müssen sich die Angehörigen um die weiterlebende digitale Existenz kümmern können.
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NiNeAl
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Digitaler Nachlass: Unterschätzte Herausforderung für die Hinterbliebenen

Beitrag von NiNeAl » Freitag 8. September 2017, 07:41

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Zum realen Dasein gesellt sich inzwischen eine virtuelle Lebenswelt, die zunehmend komplexer wird. Nahezu jede Person ist in Social Media- Netzwerken wie Facebook oder Twitter vertreten. Passend zu den individuellen Nutzungsmustern des Internets werden kostenfreie oder gebührenpflichtige Verträge mit diversen Anbietern abgeschlossen, beispielsweise um die Beiträge eines Forums zu rezipieren oder Dateien in der Cloud auszulagern. Die digitalen Fußstapfen beziehen sich nicht nur auf die virtuellen Aktivitäten. Tools wie Online-Banking werden fürs Finanz-Management eingesetzt und über das Email-Konto wird inzwischen ein Großteil des Schriftverkehrs abgewickelt. Da beispielsweise Telefonrechnungen oder bürokratische Anschreiben im Postfach landen, reichen die virtuellen Sphären in die reale Lebenswelt hinein. So ergibt sich die Notwendigkeit, die digitalen Ereignisse stets im Auge zu behalten.

Solange die User selbst am Ball bleiben können, bringen die gängigen Kommunikationsformen im digitalen Zeitalter einige Vorteile mit und erleichtern viele alltägliche Aufgaben. Das Blatt wendet sich jedoch, wenn der Nutzer plötzlich verstirbt oder sich aus gesundheitlichen Gründen für längere Zeit nicht mitteilen kann. Online-Konten sind häufig nicht mit dem Klarnamen, sondern mit einem vielseitig gestaltbaren Benutzernamen verbunden. Für das Einloggen werden Passwörter benötigt, die laut den meisten AGBs geheim gehalten werden sollen. Mit Blick auf die Sicherheit im Netz verwenden kritische User zudem diverse Techniken für die Verschlüsselung. All diese grundlegenden Informationen werden vielfach nur im Kopf gespeichert oder an einem geheimen Ort notiert.

Im Ernstfall ein Problem: Zugang zum digitalen Nachlass

Angehörige werden demnach gleich mit mehreren Problemen konfrontiert, wenn Sie sich mit dem digitalen Nachlass auseinandersetzen müssen. Obwohl ihnen der Zugang zu den Online-Konten versperrt ist, behalten die eingehenden Dokumente im virtuellen Postfach ihre Rechtskraft. Widerspruchsfristen verstreichen oder unbezahlte Rechnungen ziehen kostenintensive Mahnverfahren nach sich. Außerdem bestehen vielfach Verträge mit entsprechenden Zahlungsverpflichtungen, von denen die zuständigen Verwandten keine Kenntnis haben. Diese Details zu recherchieren ist ebenso mühsam wie das Beschaffen der Zugangsdaten über den Betreiber mithilfe der Sterbekunde und des Erbscheins. Denn die rechtlichen Rahmenbedingungen hierzu sind bislang nicht klar definiert und weichen bei den Anbietern deutlich voneinander ab. Während einige Unternehmen beispielsweise mit den amtlichen Dokumenten einen Zugriff gewähren, nehmen andere Betreiber lediglich die Löschung des Kontos nach dem Todesfall vor.

Wenn für den digitalen Nachlass zu Lebzeiten keine Vorkehrungen getroffen wurden, müssen die Hinterbliebenen nicht nur bürokratische Hürden überwinden und gegebenenfalls zusätzliche Kosten tragen. Nicht zu unterschätzen ist der emotionale Aspekt, wenn die verstorbene Person in der virtuellen Welt weiterlebt. Unwissende Freunde setzen die Kommunikation fort, ohne ein Feedback zu erhalten. Automatisierte Tools wie die Geburtstagserinnerung trudeln weiterhin bei den Angehörigen ein, solange der Account unverändert aktiv ist. Deshalb haben einige Anbieter wie Google oder Facebook bereits die Möglichkeit geschaffen, zu Lebzeiten die Vorgehensweise nach den Todesfall festzulegen oder einer Vertrauensperson die entsprechende Vorsorgevollmacht zu erteilen.

Vorausschauendes Handeln im Sinne der Angehörigen

Im digitalen Zeitalter bleiben nicht nur die virtuellen Fußstapfen der dahingeschiedenen Personen zurück. Eine Vielzahl von teils wichtigen Dokumenten schlummern mitunter ohne eine ersichtliche Ordnung auf dem PC, den verwendeten USB-Sticks und den angefertigten Datenträgern. Hinzu kommen umfangreiche Sammlungen von Fotos und Videos, die einen ideellen Wert haben. Über logisch geordnete Unterlagen freuen sich die Erben ebenso wie über die schlüssig sortierten Erinnerungsstücke. Deshalb gibt es viele gute Gründe, um sich mit den technischen, rechtlichen und organisatorischen Fragen rund um den digitalen Nachlass auseinanderzusetzen, die wir in einer Artikelserie für unsere Mitglieder aufbereiten werden.

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