BMAS-App „einfach erfasst“ für Minijobber

Programme, Applikationen, Anwendungen. Was tun, wenn die App spinnt?
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NiNeAl
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BMAS-App „einfach erfasst“ für Minijobber

Beitrag von NiNeAl » Mittwoch 16. Januar 2019, 19:17

BMAS-App „einfach erfasst“

Seit 2015 bietet das Bundesministerium für Arbeit und Soziales die App „einfach erfasst“ an. Das kostenlose Smartphone-Tool ist für die Erfassung und Übermittlung von Arbeitszeiten gedacht. Die Funktionalität fällt simpel aus: Zu Beginn ihres Arbeitstages betätigen die Nutzer den Startknopf. Passend zum Feierabend wird der Stopp-Button gedrückt. Außerdem können manuell die Pausen erfasst werden. Alternativ wird die gesetzlich vorgeschriebene Pausenzeit automatisch abgezogen. Erhältlich sind noch immer die Versionen für Android- und iOS-Geräte, während die Windows-Phone-App eingestellt wurde.

Heruntergeladen wird die Software von Arbeitnehmern. Ihr Sinn bezieht sich aber eher auf den Arbeitgeber. Sie soll den Unternehmen die Dokumentationspflichten erleichtern, die das Mindestlohngesetz mit sich bringt. Denn das Tool vereinfacht nicht nur die Zeiterfassung. Die Angestellten können ihre Daten via Mail direkt an das Unternehmen weiterleiten. Werden die eingegangenen Nachrichten sogleich ordentlich archiviert, ergeben sich die geforderten Aufzeichnungen automatisch. Eine Kleine Anfrage der FDP offenbart, dass die Software auf wenig Gegenliebe stößt. (Drucksache 19/6686) Es blieb bislang bei überschaubaren 15.000 Downloads. Das Interesse an der Evaluierung und der Optimierung scheint außerdem gering zu sein. Der Bundesregierung liegen kaum Informationen vor, beispielsweise zu den Usern, zum Nutzungsverhalten oder zur Zufriedenheit.

Es genügt aber wenig Bedenkzeit, um die Schwächen der Idee zu erahnen. Gerade im Mindestlohnbereich geht es oft um Tätigkeiten, bei denen die Verwendung des Smartphones hinderlich oder untersagt ist. Deshalb bietet es sich an, das Gerät beispielsweise im Spint zu deponieren. Haben die Arbeitnehmer darauf keinen Zugriff, erledigt sich zumindest das Eintragen der Pausenzeiten von selbst. Die automatische Ergänzung klingt nicht zielführend. Schließlich fehlt eine Information, ob die vorgeschriebenen Verschnaufpausen überhaupt gewährt wurden. Das Übermitteln der Daten setzt voraus, dass die Angestellten über einen entsprechenden Mobilfunktarif verfügen bzw. ihr Prepaid-Guthaben dafür nutzen möchten. Gewiss versorgt nicht jeder Arbeitgeber im Mindestlohnsektor seine Beschäftigten mit kostenlosem WLAN.

Entwickelt wurde das Dokumentationstool von einer Internet-Agentur im Auftrag des Bundesministeriums. Weder Arbeitnehmer noch Arbeitgeber wurden einbezogen, um eine sinnvolle Funktionalität zu gewährleisten. Deshalb drängt sich der Verdacht auf, dass es sich um ein Alibi-Angebot handelt: Die Bundesregierung ging mit der Software auf die Kritik ein, dass die vorgeschriebenen Aufzeichnungen vor allem kleinere Unternehmen vor eine Herausforderung stellen. Ob sich das digitale Tool in der Praxis bewährt, scheint zweitrangig zu sein. Offenkundig soll es auch keinen Beitrag dazu leisten, dass sich Arbeitgeber an die Regeln des Mindestlohngesetzes halten. Denn laut den Ausführungen der Bundesregierung bietet die App keinen nennenswerten Mehrwert für die Kontrollinstanzen.

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